Werkstatt

04- Höllental

Ach, wegen des Tunnels, vielleicht des Tunnels wegen, reimte Brecht sich zurecht. Weil hier auf dieser Höllentalbahn derart viele Tunnel – aber kann mir vielleicht mal einer erklären, weshalb man das Licht nicht anmacht, wenn wir durch einen Tunnel – spart man sich vielleicht, weil die, jeder für sich so kurz … obwohl, so kurz scheint dieser Tunnel gar nicht zu sein. Wie jedenfalls soll man denn bitte mitten in dieser Finsternis …?

Und dann – plötzlich – das ohrenbetäubende Geschrei der Bremsen. Sie kreischten in allen Tonlagen gleichzeitig. Und Brecht, obwohl er ja nun nicht mit maßloser Leibesfülle gesegnet war, rutschte fast von der Toilettenbrille, weil alles, einfach alles nach vorne gezogen wurde. Mit roher Gewalt. Fast hätte Brecht in die atonale Kakophonie der Bremsschreie mit eingestimmt. Doch da stand der Zug auch schon. Zu sehen war das nicht, schon der trüben Milchfenster wegen, und es war und blieb dunkel. Aber zu spüren war es. Nichts rührte sich mehr, kein Ruckeln, kein Rollen unter den Füßen, kein Anecken an den Schweißnähten der Schienenstränge. Nein, eindeutig, der Zug stand.

Brecht stand auch. Tastete im Dunkeln nach seinen um die Füße gekringelten Hosen, zerrte sie aufwärts. Unverrichteter Dinge.