Werkstatt
02 - Höllental
Womit allerdings niemand von ihnen gerechnet hatte, auch Brecht nicht: wie steil es hier aufwärtsging. Und vor allem nicht damit, was sie unter sich ließen. Was aus diesem doch gerade eben erst, vor zehn, zwanzig Minuten, bis zur Station Himmelreich noch richtig breiten, flachen Tal geworden war. Wie es sich plötzlich in die Felsen fraß. Das träge, leise gurgelnde Flüsschen da unten, wie das mit einem Mal, wenige Zehner Meter höher zur Wasserfallkaskade wurde, die ihr Wasser aus den Schwarzwaldbergen herabstürzen ließ.
Während der Zug Meter und Meter mit brodelndem Kessel und grauweißen Qualmfäusten aufwärts kämpfte und das Tal die Felsen immer tiefer ausfraß. Hervorstechen, sich auftürmen ließ. Als hätten die Sturzbäche die riesigen Steine dorthin geworfen, zu Steilwänden aufgerichtet. Und nicht ausgehöhlt, zerfurcht, zerrissen. Zu einer schwarz grauen Klamm zersägt und ausgehämmert. Als hätten die Wasser die Felsbrocken hochwachsen lassen. Brocken, die immer enger zusammenrückten und den Fluss in die Tiefe verbannten, ins Unsichtbare, ihn unten irgendwo tosen und rumoren ließen. Bis man den Eindruck gewann, man müsste über den Zug und den Polterbach hinweg von einer Felswand zu anderen springen können. Und sollte man die Landung auf der anderen Seite verhauen, wie man dann abstürzen würde, direkt in den Eingang zur Hölle. In Erwartung der satanischen Glutfeuer.