Echo

Wie ein Autor Heine einen Strich durch die Rechnung macht

Ulrich Land in der Wassenberger Bücherkiste

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Wassenberg · In Wassenberg bei der Bücherkiste stellte Autor Ulrich Land sein neues Werk vor. Es trägt den Titel „Heines Strich durch die Rechnung“.

Das wäre Heinrich Heine nicht passiert, als er aus dem Exil ins Wintermärchen namens Deutschland reiste, dass ihm eine Oberleitung auf sein Reisegefährt gekracht wäre, und fast hätte dieser Umstand eine Lesung platzen lassen, die das Team der Bücherkiste Wassenberg für Autor Ulrich Land organisiert hatte. Letzterer saß dank maroder Bahn-Anlagen in Mannheim fest und konnte nur durch glückliche Umstände Wassenberg zur Lesung erreichen. Aus der Not eine Tugend machend, sprang Oberkirchenrat a.D. Klaus Eberl ein und stimmte das Publikum mit seinem Rundfunkvortrag zur Sendereihe „Das geistliche Wort“ auf den großen Dichter und Denker Heine ein. „Heine war ein Ereignis und ein Skandal“, so Eberl.

Aber was wäre ein Uli-Land-Ereignis ohne den Pianisten Eckart Krause, der weitere Zeitlücken stopfte mit Musikstücken wie „A foggy day“ und „Don’t misbehave“. Als der Anruf kam, der Autor sei in Kürze da, um sein Werk „Heines Strich durch die Rechnung zu präsentieren, brauchte die Moderatorin nur noch zu einer Heine-Exklusiv-Ausgabe zu greifen und einige Worte über die beiden wichtigsten Versepen von Heine, „das Wintermärchen“ und „Atta Troll“, zu verlieren sowie über die höchstwahrscheinliche Reiseroute von Paris nach Hamburg, die „natürlich“ über Effeld und Wassenberg führte, und bei Heine Eindruck hinterlassen haben müsse.

Dann war „Land in Sicht“ und Irmgard Stieding konnte das Ruder an den literarischen Wortklauber und Verseschmied aus Freiburg weiterreichen, der in süffisant-amüsanter und kölsch-ironischer Weise fiktive und nicht-fiktive Details aus der letzten Lebensphase Heines zum Besten gab. Wer denkt, einen so großen Dichter könne man nicht auf Allzumenschliches – wie seine desaströsen finanziellen und erotischen Verhältnisse – reduzieren, der möge sich klarmachen, dass Heine dies vermutlich nie gewollt hätte, dass man ihn auf ein Podest hebt.

Das Motiv, dass Heine durch seine Salomon-Biografie – den Tod schon im Nacken, den er leitmotivisch immer wieder in Selbstgesprächen in die Schranken weist – selbst noch mit seinem größten Gönner ein kritisches Federlesen betreibt und wegen der dadurch einsetzenden „Familienzensur“ das künftige Witwengehalt seiner Frau aufs Spiel setzt, dieses Motiv auszuschmücken ist ein literarischer Coup, der dem Autor gelungen ist und der das Ansehen Heines keineswegs schmälert. Ist es doch bekannt, dass kritische Schriftsteller und die von ihren schreibenden Gatten abhängigen Frauen in der Zeit der Restauration kein leichtes Leben hatten.

Mit Heine nimmt Land nicht zum ersten Mal einen Großmeister der Sprache persiflierend aufs Korn, dem schon Größen wie Shakespeare („Messerwetzen im Team Shakespeare“), Tucholsky („Dating Tucholsky“), Kleist („Kleist, der letzte Akt“) und sogar Hölderlin („Hölderlins Filmriss“) als historische (Kriminal-)Figuren mit und ohne begleitende Kochrezepte vorausgegangen sind. Am Ende erfährt der Leser, wie es um den Dichter stand.

Die Bücherkiste mag den Gast aus Freiburg nicht missen. Wer gerät als Nächste/Nächster unter seine witzig-wetzenden Messer. Vielleicht der olle Goethe? Oder Schiller? Oder mal ein weibliches Talent – nur so zur Abwechslung.

© 2023 Rheinische Post

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